In letzter Zeit wird in Ulm zunehmend aggressiver für „Stuttgart 21“ (oder richtiger für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm) geworben. Und immer und immer wieder wird vor allem das eine Argument vorgebracht: die Zusage einer kurzen Reisezeit nach Stuttgart durch eine schnelle Verbindung über die Neubaustrecke; das ist die Monstranz, hinter der die Befürworter von S21 ihre Unterstützer versammeln. „In nur 28 min von Ulm nach Stuttgart Hbf“. Mit dieser Monstranz konnte man unlängst die mit Steuergeld subventionierten Ulmer Demonstranten im Südwest-Fernsehen bewundern (Nachrichten am 31.01.11). Dies Lockangebot steht auch auf einer Stele am Ulmer Bahnhof, so steht es auch im Internet: “Von Stuttgart nach Ulm verkürzt sich die Fahrzeit im Regionalverkehr mit Halt am Bahnhof Flughafen/Messe auf 28 Minuten.“ http://www.das-neue-herz-europas.de/das_bahnprojekt/schnell_unterwegs/regionalverkehr/default.aspx
Im krassen Gegensatz dazu hat Dr. Kefer von der DB AG in der Schlichtung auf Nachfrage bestätigt: Die Fahrzeit im Regionalverkehr über die Neubaustrecke wird zwischen Stuttgart und Ulm künftig 41 Minuten betragen (3. Schlichtungsrunde, Videoübertragung in PHOENIX, 16:44h).
Wie nun, 28 oder 41 Minuten? Was stimmt denn nun, die Info aus dem Netz, bei der niemand sagen kann, wer dafür verantwortlich zeichnet, oder das, was ein hoher Repräsentant der DB in die Kamera sagt?
Vermutlich löst sich der Widerspruch, wenn man fragt, wie schnell mit welchem Zug und zu welchem Preis?
Die Reisezeit von 28 Minuten wird erreicht von einem ICE, der ohne Halt über die Neubaustrecke von Ulm nach Stuttgart rast. Dafür muss man den ICE-Fernverkehrspreis bezahlen; das sind im Augenblick € 24.-. Klar ist jetzt schon, dass diese Fahrkarte deutlich teurer werden wird wegen der drastisch erhöhten Strecken- und Stationspreise (€ 1140.- statt heute € 455.- pro Zug; Matthias Lieb/VCD in 3. Schlichtungsrunde, Videoübertragung in PHOENIX, 16:43h); Experten sprechen von ca. € 30.-, bezogen auf die heutige Situation, also ohne Berücksichtigung der allgemeinen Teuerung innerhalb der nächsten 10 Jahre.
Im Unterschied zum Fernverkehr wird Regionalverkehr von Bund und Land subventioniert. Frau Ministerin Gönner sagt, sie „bestelle“ diese Züge. Deshalb kostet heute die Fahrkarte Ulm-Stuttgart € 17,40. Auch im „Schnellen Regionalverkehr“ werden sich die erhöhten Strecken- und Stationspreise niederschlagen. Aber Frau Gönner hat vorhergesagt, dass sie durch Ausschreibung und eine Neuordnung der Berechnung der Strecken- und Stationspreise die Preiserhöhung in Grenzen halten könne; Dr. Geißler hat das wie folgt zusammengefasst: Die Kosten werden nicht wesentlich höher sein als heute (3. Schlichtungsrunde, Videoübertragung in PHOENIX, 16:20h). Faktisch wird der Preis vermutlich bei € 20.- liegen.
Zusammengefasst und bezogen auf die heutigen Kosten heißt das: Man wird, falls das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm umgesetzt wird, in Zukunft in 28 Minuten nach Stuttgart fahren können, Kostenpunkt ca. € 30.-. Oder man fährt für ca. € 20.-, dann aber in 41 Minuten. Man darf gespannt sein, wie vielen Ulmer Reisenden eine Fahrzeit-Ersparnis von 13 Minuten den Aufpreis von € 10.- (das ist 50%) wert sein wird. Vermutlich werden die meisten Privatreisenden eine Fahrzeit von 41 Minuten nach Stuttgart einkalkulieren, und damit werden sie ganz wenige Minuten schneller fahren als ein IC vor 20 Jahren.
Und das, nachdem man Zehntausend Millionen Euro investiert hat und viele andere sinnvolle Maßnahmen – auch im Ulmer Raum – nicht umsetzen konnte! Wird das tatsächlich für eine vernünftige Relation gehalten?
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass in Ulm die subventionierten S21-Demonstranten samt ihrer Monstranz ziemlich blind dem falschen Propheten hinterher rennen.